Wenn eine Marke wie Roger Dubuis zu ihren Wurzeln zurückkehrt, sind die Erwartungen hoch. Die neue Hommage La Placide, eine auf 28 Stück limitierte Edition, ist keine nostalgische Kopie der Vergangenheit, sondern ein sorgfältiger Dialog zwischen Tradition und Erneuerung. Zum 30-jährigen Jubiläum feiert die Genfer Manufaktur nicht nur ihren Gründer, sondern auch die Idee von Zurückhaltung und mechanischer Präzision, die ihre Anfangsjahre prägte.

Eine Rückkehr zum Ursprung
Während der moderne Roger Dubuis für seine markanten skelettierten Uhrwerke und architektonisch anmutenden Gehäuse bekannt ist, präsentiert sich die Hommage La Placide eher dezent als auffällig. Ihr 38-mm-Gehäuse aus Roségold erinnert an die ersten Kreationen der Marke aus der Mitte der 1990er-Jahre, als die Linien Hommage und Sympathie Dubuis' unverwechselbare Verbindung von Genfer Siegelkunst und ausdrucksstarkem Design einführten. Dieses neue Modell zollt diesem Gründungsgeist mit einer weicheren Geometrie, abgeschrägten Bandanstößen und einer in der heutigen, von Excalibur dominierten Ära selten anzutreffenden Ausgewogenheit Tribut.
Die Uhr verdankt ihren Namen Roger Dubuis' Spitznamen aus Kindertagen, „La Placide“ – eine Anspielung auf seine ruhige Art als Pfadfinder. Sie ist zugleich eine Hommage an die spiegelglatte Oberfläche des Genfersees, die ihn während seiner Uhrmacherausbildung täglich begleitete. Die Symbolik ist eindeutig: Während die jüngsten Designs der Marke eher theatralisch wirkten, setzt diese Uhr auf Gelassenheit.
Schichten von Handwerkskunst und Ruhe
Allein die Zifferblattarchitektur offenbart, wie sehr die Marke die Komplexität subtil neu interpretiert hat. Die schimmernden Perlmuttbögen der biretrograden Tages- und Datumsanzeige gleiten über einen lackierten, hellblauen Grund und bilden einen eleganten Kontrast zwischen irisierender Zartheit und technischer Präzision. Die Hilfszifferblätter für Monat und Schaltjahr behalten ihre Symmetrie, während die Mondphase – dargestellt in blauem Aventurin mit zwei goldenen Monden – das Design bei sechs Uhr abrundet.


Jede der fünf sichtbaren Zifferblattschichten weist eine spezifische Oberflächenbearbeitung auf: kreisförmiges Bürsten, polierte Kanten oder übertragene Ziffern. Die Tiefe wirkt bewusst gewählt, nie übertrieben, und spiegelt die Überzeugung des Gründers wider, dass die Komplexität feinster Uhrmacherkunst erst bei genauer Betrachtung zum Vorschein kommen sollte.

Im Inneren: ein wiederhergestellter Herzschlag
Das Herzstück der Hommage La Placide ist das Kaliber RD1472, eine faszinierende mechanische Wiederbelebung, die das automatische Basiswerk RD14 mit dem Modul für den ewigen Kalender RD72 kombiniert. Beide Komponenten stammen aus den frühen 2000er-Jahren und wurden im eigenen Haus vollständig restauriert und neu kalibriert. Jedes RD14-Uhrwerk wurde zerlegt, geprüft und nach modernen Standards wiederaufgebaut, einschließlich einer neuen Geometrie des Räderwerks für höhere Effizienz.
Das Uhrwerk trägt noch immer die frühen Markenzeichen der Marke: einen Schwanenhalsregler und eine hauseigene Unruhspirale – beides heute Raritäten. Über 300 Komponenten werden von Hand mit 15 traditionellen Verzierungen – darunter Genfer Streifen, Spiegelpolitur und Perlage – veredelt, und das Genfer Siegel krönt die Endmontage. Ein Rotor aus Roségold vervollständigt die Komposition und erzeugt einen ruhigen Rhythmus, der durch den Saphirglasboden sichtbar ist.

Eine Brücke zwischen den Epochen
Für Sammler symbolisiert dieses Modell eine wichtige Versöhnung. Es würdigt die mechanische Präzision aus Roger Dubuis' erstem Jahrzehnt und bewahrt gleichzeitig die ausdrucksstarke Formensprache des heutigen Ateliers. Bemerkenswert sind auch die kleineren Proportionen, die an eine Zeit erinnern, in der 38 mm Eleganz und nicht Bescheidenheit verkörperten.
Im Vergleich zur Excalibur Biretrograde Calendar, die Anfang 2025 lanciert wurde, tauscht die Hommage La Placide Aggressivität gegen Eleganz. Beide basieren auf demselben mechanischen Prinzip, doch während die Excalibur mit Dramatik aufwartet, besticht die Hommage durch Raffinesse. Man kann sich Letztere eher am Handgelenk eines erfahrenen Sammlers als an dem eines Bühnenkünstlers vorstellen – eine Uhr, die leise spricht und doch bemerkenswerte Tiefe besitzt.

Ansicht des Sammlers und abschließende Gedanken
Die Hommage La Placide ist mehr als nur eine Jubiläumsedition; sie ist ein Bekenntnis dazu, dass Tradition und Fortschritt Hand in Hand gehen können. Die limitierte Auflage von 28 Exemplaren garantiert Exklusivität, doch ihr wahrer Wert liegt darin, wie sie die Bedeutung von „klassischem Roger Dubuis“ in der heutigen Zeit neu definiert. Für alle, die sich an die Hommage Chronographen oder die frühen Sympathie-Modelle erinnern, fühlt sich diese Uhr wie ein harmonischer Abschluss an – ein Kreis, der sich mit Eleganz schließt.
Mit einem Preis von 115.000 € vor Steuern zählt die Uhr eindeutig zur Haute Horlogerie, doch ihre emotionale Bedeutung dürfte für langjährige Bewunderer der Marke von unschätzbarem Wert sein. Roger Dubuis bewegte sich stets zwischen Extravaganz und Disziplin; mit der Hommage La Placide scheint das Pendel nun endlich die perfekte Mitte gefunden zu haben.

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